17.12.14

Hat Europas Stahlindustrie den Karren an die Wand gefahren?

"Wie lange muss sich die EU-Stahlindustrie dem schlimmer werdenden unfairen Wettbewerb weltweit noch stellen", fragt und warnt der europäische Stahlverbandes Eurofer. In der Stahlindustrie liegen die Nerven blank. Es geht allmählich ans Eingemachte. Weil viele Stahlkocher kein Geld verdienen, drohen Werkschließungen.

Die Stahlnachfrage in der EU habe sich 2014 in den ersten drei Quartalen des Jahres moderat um etwa 4 Prozent erhöht, rechnet Eurofer vor. Das Plus sei aber durch den Import von Stahlprodukten aus Drittländerm, die um 22 Prozent zulegten, absorbiert worden. Deswegen nahmen die Stahlauslieferungen europäischer Erzeuger nicht um 4 Prozent sondern nur um 1,5 Prozent zu.

Vor allem die chinesischen Stahlimporte machen den Europäern das Leben schwer. Darüber hinaus kommt man beim Export nicht zum Zug. "Die EU könnte die Macht, die ihr der riesige Binnenmarktes verleiht, dazu nutzen, um gegen den Protektionismus in Drittländern vorzugehen", fordert Axel Eggert, Generaldirektor von Eurofer.

Managementfehler

Derweil sinkt der Stahlpreis für das Referenzprodukt Warmband (Hot-Rolled Coil) in Südeuropa auf eine 5-Jahrestief bei 394 Euro pro Tonne. Noch stärker fällt der Grobblechpreis. Er liegt mit 469 Euro um 11 Euro unter dem Niveau der Vorwoche und 31 Euro niedriger als vor vier Wochen.Viele Stahlkocher verkaufen unter den Produktionskosten und schreiben rote Zahlen.

Mit dem unfairen Wettbewerb habe Eurofer durchaus recht. Allerdings seien die Probleme der europäischen Stahlindustrie auch hausgemacht, sagen Kritiker. Viele Unternehmen hätte die Zeichen der Zeit zu spät erkannt. Anstatt auf hochwertige Stahlprodukte mit Zusatz-Service für die Kunden zu setzen, hielt man an Altbewährtem fest.

Sollte es nun zu Werkschließungen und Massenentlassungen kommen, sei das somit auf eklatante Managementfehler bei der strategischen Unternehmensausrichten zurückzuführen. Vor einigen Jahren hätten viele Stahlproduzenten noch die Möglichkeit gehabt durch einen geringen Arbeitsplatzabbau und höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung gegenzusteuern.