01.12.14

Stahlpreis-Vergleich: Dez. 2014: 415 €, Dez. 2010: 537 €

Im nächsten Jahr werde alles besser. Dann dürften auch die Stahlpreisen steigen, hieß es zum Ende der vergangenen Jahre stets. Eine nigelnagelneue Wachstumsprognose des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt zu einem anderen Ergebnis. Hintergrund ist eine eklatante Investitionsschwäche in Europas größter Volkswirtschaft.

Der Stahlpreis für das Referenzprodukt Warmband (Hot-Rolled Coil, HRC) dümpelt in Nordeuropa aktuell bei 410-420 Euro pro Tonne (1.000 kg). Damit liegt der innereuropäische Stahlpreis für Warmband ab Werk (Ex-Mill) um mehr als 100 Euro niedriger als vor vier Jahren. Im Dezember 2010 kostet das für die Automobilproduktion essentielle Warmband 537 Euro.

DIW-Präsident Marcel Fratzscher sieht eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass Europa 2015 oder 2016 in eine Rezession abgleite. Für Deutschland erwartet er eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums sowie einen Anstieg der Arbeitslosigkeit von derzeit 2,7 Millionen auf drei Millionen.

Stahlkonjunktur leidet unter Investitionsschwäche

In Deutschland komme es darauf an, die Investitionen zu steigern. "Das ist unsere Achillesferse", sagte Fratscher der Deutschen Presse-Agentur. Die mit der Einführung des Mindestlohnes stattfindende Stärkung der Binnenwirtschaft sollte den Konsum erhöhen. Der private Konsum werde damit 2015 die tragende Stütze der deutschen Wirtschaft sein.

Das vom DIW in Aussicht gestellte Wachstum dürfte nicht so stahlintensiv ausfallen, wie in den Aufschwungjahren nach der Finanzkrise, als die Investitionen kräftig anzogen. Damit verringert sich zugleich das Aufwärtspotential der Stahlpreise 2015, die zur Zeit wegen einer Eisenerzschwemme auf dem Weltmarkt nicht vom Fleck kommen.