06.07.15

Stahlpreise und Stahlmarkt im Juli 2015 - Deutschland

Die Griechenland-Krise gefährdet den deutschen Konjunkturaufschwung und damit auch die Erholung der Stahlindustrie. "Wenn ein Kunde in Athen demnächst mit einer weicheren Währung bezahlen müsste, würden Einfuhren auf einen Schlag sehr teuer", sagt der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung.

Bisher gibt es keine ernstzunehmenden Anzeichen für eine Verlangsamung der Konjunktur, aber erste Warnsignale. Die Konjunktureinschätzung von Investoren für Deutschland stagniert im Juli bei 26,8 Punkten, wie das Beratungsunternehmen Sentix heute mitteilt. Die Entwicklung des Auftragseinganges des produzierenden Gewerbes lag im Mai um 0,2 Prozent niedriger als im Vormonat, meldet das Statistische Bundesamt.

Volkswirte befürchten etwas ähnliches wie vor einem Jahr, als die Sanktionsspirale zwischen der EU und Russland das Wachstum drosselte. Denn für Griechenland könnte es inzwischen zu spät sein. Die Haushaltslöcher sind so groß, dass kaum noch jemand bereit sein dürfte, weitere Mittel zur Verfügung zu stellen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat ausgerechnet, dass Griechenland bis 2018 50 Milliarden Euro zusätzlich braucht. In dieser Rechnung ist die jüngste Bankenschließung, die die Wirtschaft lähmt und den griechischen Etat weiter belastet, noch gar nicht berücksichtigt. Sollten sich die Geldgeber die Vollkaskomentalität von Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras nicht länger bieten lassen, wäre ein vorübergehender oder permanenter Euro-Austritt Griechenlands (Grexit) die Folge.

"Das Ergebnis ist ein Schlag ins Gesicht aller Europäer. Das griechische Volk hat sich selbst in eine äußerst schwierige Lage manövriert, die Regierung in Athen trägt die Verantwortung dafür", kommentiert Grillo das Nein der Griechen zu den Reformauflagen. Ein Grexit sei nach dem Referendum durchaus möglich.