15.09.16

Stahlpreise und Stahlmarkt: Donnerstag, 15. September 2016

Entwarnung für Stahlkonjunktur
Die deutsche Stahlindustrie wird 2016 voraussichtlich 42,5 Millionen Tonnen Rohstahl erzeugen, prognostiziert die Wirtschaftsvereinigung Stahl. Das wäre nur leicht unter dem Niveau des Vorjahres von 42,7 Millionen Tonnen. Vor zehn Monaten, als die europäischen Stahlpreise auf Rekordtiefs fielen, hatte der Branchenverband mit einem Rückgang auf 41,5 Millionen Tonnen gerechnet. Der Stahlpreis für Warmband in Westeuropa lag zuletzt bei 445 Euro je Tonne - nach 321 Euro im Dezember 2015.

Stahlnachfrage aus Autoindustrie am steigen
Der europäische Automarkt ist im August 2016 überraschend stark gewachsen. Die Pkw-Neuzulassungen in der EU erhöhten sich um 10% auf 819.126 Fahrzeuge, teilt der Branchenverband ACEA mit. In Deutschland lag das Plus bei 8,3%, in Frankreich bei 6,7% und im brexit-gebeutelten Großbritannien bei 3,3%. Die Südeuropäer zeigten sich hingegen sehr viel kauffreudiger. In Italien stiegen die Neuzulassungen um 20,1%, in Spanien um 14,6%.

Kupferpreise am knistern
Kupfer ist das Industriemetall der Stunde. In den letzen zwei Tagen kletterte der Kupferpreis an der Londoner Metallbörse (LME) von 4.573 US-Dollar auf 4.694 Dollar je Tonne. Der Anstieg wird aufgrund eines konstanten Euro-Dollar-Wechselkurses eins zu eins weitergegeben. Dies führt dazu, dass Kupferschrottpreis für hochwertigen Kupferdraht (Millberry) aktuell bei 3,75 Euro je kg liegt - nach 3,62 Euro/kg am Dienstag.

Industrieproduktion: Tief durchschritten?
Die Industrieproduktion in der der Eurozone lag im Juli 2016 um 1,1% tiefer als im Vormonat, meldet das Statistikamt Eurostat. In der EU gab es einen Rückgang um 1%. Konjunkturexperten streiten darüber, wie es in der 2. Jahreshälfte weiter geht. Gemäß den Optimisten (unter ihnen die Bundesbank) wird die Industrieproduktion steigen. Die Pessimisten verweisen auf die zuletzt schwachen Fertigungszahlen von Vorleistungsgütern, welche gegen Jahresende die Bruttoanlageinvestitionen mit nach unten ziehen dürften.

Juncker verkämpft sich für Montanindustrie
EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker verweist auf die historische Bedeutung der Stahlindustrie bei der Gründung der EU. "Wir haben bereits 37 Antidumping- und Antisubventionsmaßnahmen in Kraft gesetzt, um unsere Stahlindustrie vor unfairem Wettbewerb zu schützen", sagt Juncker ferner im EU-Parlament. Der Luxemburger setzt sich für höhere Schutzzölle auf Importstahl ein und klagt darüber, dass einige Regierungen in der EU dies bisher nicht wollten.