23.03.17

Auf dem deutschen Stahlmarkt läuft es fast schon zu gut

Die deutschen "Stahlproduzenten versuchen weitere Preiserhöhungen durchzusetzen, jedoch scheint das Aufwärtspotenzial bei warmgewalzten und kalztgewalzten Produkten im Moment festgefahren", berichtet die Metallberatungsgesellschaft MEPS. Die Stahlnachfrage in Deutschland sei robust. Stahl-Service-Center hätten rechtzeitig vor den jüngsten Preiserhöhungen genügend Material auf Lager gelegt und könnten die höheren Stahlpreise der Stahlproduzenten bei ihren Kunden durchsetzen.

Die weltweite Stahlproduktion hat sich im Februar trotz Überkapazitäten in der Branche überraschend deutlich erhöht. Unternehmen wie ArcelorMittal, US Steel und Baosteel erzeugten insgesamt 121.607 Millionen Tonnen Rohstahl, meldet der Weltstahlverband Worldsteel. Das war ein Plus von 4,1% gegenüber dem Vorjahresmonat. Während China seinen Stahlausstoß überdurchschnittlich steigerte (4,6%), gab es in der EU (-0,6%) und den USA (-1,0%) leichte Rückgange.

In Deutschland läuft es inzwischen wieder ziemlich gut. Die Kapazitätsauslastung der Stahlwerke liegt bei stattlichen 89%. "Die Hütte brummt. Bis Oberkante Unterlippe", zitiert Welt N24 Dieter Lieske von der IG Metall in Duisburg. Zum Vergleich: Weltweit sind die Hochöfen gemäß den aktuellen Erhebungen von Worldsteel lediglich mit 70% ausgelastet. Die Aussichten erscheinen derzeit so günstig wie schon seit 2012 nicht mehr", sagt Salzgitter-Chef Heinz Jörg Fuhrmann.

Die Risiken für den Stahlmarkt hätten sich nicht verringert. Für die deutsche Schwerindustrie gebe es weiterhin Probleme in Handelsfragen, wegen globalen Überkapazitäten und der Klimapolitik, warnt Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, der Zeitung Welt. Die Stahllobby hat in den letzten Jahren einen ziemlich guten Job gemacht, in dem sie die EU-Kommission unentwegt triezte, Strafzölle auf Importstahl zu verhängen.

Wenn die deutschen Stahlunternehmen einmal zeigen müssten, dass sie es auch ohne politische Rückendeckung können, dann sehe man sehr schnell, woran es hapere, sagen Kritiker. Einem Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe, das täglich das Weiße im Auge seiner Kunden sehe, wäre ein Debakel wie es Thyssenkrupp in Brasilien und den USA verursachte, ganz bestimmt nicht passiert. Salzgitter klammere sich an das Land Niedersachsen und seinen Großkunden Volkswagen, was die Innovationsfähigkeit hemme.