26.06.17

Stahlpreise und Stahlmarkt: Montag, 26. Juni 2017

Stahlschrottpreise tauchen tiefer
Die Stahlschrottpreise in Deutschland sind im Juni zum dritten Mal in Folge gesunken. Stahlneuschrott der Sorte 2/8 fällt 6,10 Euro auf 223,80 Euro je Tonne. Der Lagerverkaufspreis für Stahlaltschrott verliert 9,00 Euro auf 200,30 Euro. (Quelle: Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen, BDSV). Die Talfahrt ist nicht so gravierend wie vor einem Jahr, als der Neuschrottpreis zwischen Mai und Oktober 2016 von 230,40 Euro auf 155,50 Euro (-32,51%) abrutschte.

Zum Thema: Diagramme Stahlschrottpreise (Euro je Tonne)

Stahlintensive Wirtschaftssektoren boomen
Die Nachfrage und der Auftragsbestand im stahlintensiven Verarbeitenden Gewerbe habe sich im Juni sehr gut entwickelt, berichtet Ifo-Präsident Clemens Fuest. Im Baugewerbe habe sich die Lage hingegen leicht eingetrübt. Das Geschäftsklima ist aber immer noch ausgezeichnet. Aufgrund der guten Auftragslage der Bauunternehmen sei zu erwarten, dass die Preise für Bauleistungen steigen werden, so das Münchner Ifo-Institut.

Kupferpreise fester
Der Kupferpreis unternimmt den nächsten Anlauf über die Marke von 6.000 US-Dollar zu klettern. An der Londoner Metallbörse (LME) verteuerte sich das Industriemetall seit Monatsbeginn von 5.540 US-Dollar auf 5.773 US-Dollar (+4,21%). Der von den deutschen Schrotthändlern gezahlte Kupferschrottpreis für hochwertigen Kupferdraht (Millberry) stieg parallel von 4,36 Euro je Kilogramm auf 4,56 Euro/kg.

Kokskohle: Revolution bei der Preisfindung
Mit großem Interesse verfolgt die Stahlbranche Verhandlungen zwischen japanischen Stahlherstellern und australischen Bergbauunternehmen über die künftige Ausgestaltung des Kokskohlepreises. Es geht darum einen 45-jährigen Preisfixierungsmechanismus zu beenden. Federführend ist Nippon Steel & Sumitomo Metal, das den Kokskohlepreis für ein Quartal rückwirkend aus den Tagespreisen errechnen will.

Beginnen die Japaner mit diesem neuen System, werden Europäer und Amerikaner nachziehen müssen, so die einhellige Meinung von Branchenexperten. Die Lieferkontrakte für Kokskohle zwischen australischen Bergbauunternehmen und japanischen Stahlproduzenten werden weltweit als Referenz (Benchnmark) herangezogen.

Die Folgen sind immens: Orientiert sich der Kokskohle-Beschaffungspreis am täglichen Kassamarktpreis, werden die Stahlpreise stärkeren Schwankungen unterworfen. Die Automobilindustrie, ein Hauptkunde der Stahlhersteller, soll dem sehr skeptisch gegenüberstehen. Auch die deutschen Stahlproduzenten dürften sich gegen transparentere Kokskohlepreis sträuben.

🔗 Kokskohlemarkt im Umbruch, Commerzbank-Research
🔗 Coking coal price talks, Reuters