22.12.17

Stahlpreise und Stahlmarkt: Freitag, 22. Dezember 2017

Gute Nachrichten für die Beschäftigten in der Stahlsparte von Thyssenkrupp. Der Vorstand um Konzernchef Heinrich Hiesinger sagt den Arbeitnehmern Beschäftigungsgarantien bis Ende September 2026 zu. "Wir haben ein Jahrzehnt Sicherheit gefordert und neun Jahre rausgeholt", sagt Detlef Wetzel, der die Arbeitnehmer als stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende bei Thyssenkrupp vertritt, der WAZ. Die Arbeitnehmer an den Stahlstandorten sollen im Januar über das Verhandlungsergebnis abstimmen.

Weil betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen über neun Jahre ausgeschlossen werden, gibt es von der Arbeitnehmerseite nun grünes Licht für die angestrebte Stahlfusion zwischen Thyssenkrupp und Tata Steel. Hiesinger ist sich offenbar sicher, dass er mit der Schaffung des nach ArcelorMittal zweitgrößten Stahlunternehmens Europas genügend Synergien und Kostenvorteile heben kann, um die Produktion hoch zu halten. In der europäischen Stahlindustrie werden nach Einschätzung von Experten 30-40 Millionen Tonne pro Jahr zu viel Stahl produziert.

ArcelorMittal geht mit der unlängst vollzogenen Übernahme des italienischen Stahlproduzenten Ilva denselben Weg. Möglichst groß werden, um bei den Herstellkosten kleineren Stahlproduzenten, die sich nicht auf die Produktion von hochqualitativen Stählen spezialisiert haben, deutlich zu unterbieten. Darüber hinaus wird die Thyssen-Tata-Fusion unabhängige Stahl-Service-Center unter Druck setzen, als diese künftig weniger Anbieterauswahl haben. Dadurch ist Thyssenkrupp-Tata in der Lage höhere Stahlpreise durchzusetzen.

Wegen der guten Konjunktur in Europa dürfte 2018 für die europäische Stahlindustrie ein gutes Jahr werden. Für 2019 rechnet die Metallberatungsgesellschaft MEPS mit sinkenden Stahlpreisen, was die Gewinnmargen belastet. Dies könnte dann ein Schicksalsjahr für mittelgroße Stahlproduzenten werden. Sie haben zu hohe Kosten und werden von ArcelorMittal und Thyssenkrupp quasi an die Wand gedrückt. Auf der anderen Seite sind die von ihnen produzierten Stähle nicht hochwertig genug, um erfolgreich eine Nische wie der österreichische Produzent Voestalpine zu besetzen.