01.11.16

Stahlpreis-Rallye 2016: ArcelorMittal nützt sie am meisten

Trotz steigender Stahlpreis drohen ThyssenKrupp und Salzgitter den Anschluss zu verlieren. Für ArcelorMittal läuft es hingegen glänzend. Der weltgrößte Stahlkonzern profitiert von seiner Kostenführerschaft und steigenden Eisenerzpreisen. Der Aktienkurs kletterte in den letzen eineinhalb Monaten um 26% auf 6,18 Euro nach oben.

ThyssenKrupp-Anteilsschein stiegen 3% auf 20,98 Euro, Salzgitter 10% auf 29,94 Euro. Dass ArcelorMittal davonzieht, bestärkt jene Kräfte in der Stahlindustrie, die sich für Zusammenschlüsse aussprechen. Gemäß ihren Stimmen sind die deutschen Hersteller in einer prekären Wettbewerbssituation:

  • Sie kommen an die Kostenführerschaft und die höheren Gewinnmargen des wesentlich größeren Herstellers ArcelorMittals, der auch von seiner eigenen Eisenerzförderung profitiert, nicht heran. Der Eisenerzpreis befindet sich aktuell mit 64 US-Dollar/Tonne auf einem 6-Monatshoch.

  • Auf der anderen Seite sind ThyssenKrupp und Salzgitter nicht spezialisiert genug, um ein Nischenstrategie wie Voestalpine zu fahren. Der Aktienkurs des Konzerns aus Österreich steht (anders als die der deutschen Stahlproduzenten) aktuell mit 32,23 Euro kurz davor ein Jahreshoch zu erreichen.

ThyssenKrupp wird von seinem schwedischen Finanzinvestor Cevian dazu gedrängt, Möglichkeiten von Zusammenschlüssen mit anderen Stahlproduzenten auszuloten. Es laufen Gespräche über eine Fusion mit Tata Steel.

Salzgitter hat mit dem Land Niedersachsen einen großen Anteilseigner, der auf Selbständigkeit pocht. Dabei nehmen die Verantwortlichen die Gefahr in Kauf, dass man zwischen großen Kostenführern und Nischenanbietern ähnlich aufgerieben wird, wie es derzeit die Deutsche Bank erlebt.

Der Aktienkurs von Kloeckner ist ein Abziehbild der Entwicklung der Stahlpreise. So stiegen die Papiere des Duisburger Stahlhändlers in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres um 57% auf 12,91 Euro.

Seitdem die Stahlpreise im August auf dem für Klöckner wichtigen US-Stahlmarkt begannen zu sinken, ist der Klöckner-Aktienkurs in einer Seitwärtsbewegung. Wären die Stahlpreise in Europa aktuell nicht auf einem Mehrjahreshoch, hätte der Klöckner-Kurs wahrscheinlich große Probleme sich über 10 Euro zu halten.