27.07.15

Prognose: Stahlpreise in der EU bleiben unter Druck

Die Stahlpreise sind in allen Ländern der Europäischen Union (EU) am sinken. Dahinter stecken Preisoffensiven bei Importstahl aus Drittstaaten, berichtet die Metallberatungsgesellschaft MEPS. Die deutschen Stahlproduzenten sehen die aktuelle Lage mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Nichtsdestotrotz hätten sie lieber ein größeres Stück von der steigenden Stahlnachfrage und machen Druck.

Neben China und Russland schwemmt nun billiger Importstahl aus dem Iran in die EU. Die iranischen Stahlerzeuger profitieren von gesenkten Ausfuhrzöllen, wodurch sie ihren Stahl im Ausland günstiger anbieten können.

Die Stahlpreise in Deutschland geben den zweiten Monat in Folge nach. Stahlimporte aus Asien erreichen Nordeuropa, wodurch auf die europäischen Stahlproduzenten Druck ausgeübt wird, ihre Preise zu senken. Das ist für die deutschen Stahlkonzerne insofern ärgerlich, weil die Nachfrage aus der Automobilindustrie und dem Baugewerbe im ersten Halbjahr recht gut war. Stahleinkäufer rechnen für das dritte Quartal 2015 mit weiteren Preissenkungen bei Flachstählen, meldet MEPS.

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"Die Stahlindustrie ist nicht grundsätzlich gegen Importe. Stahl zu Dumpingpreisen hat aber nichts mit fairem Wettbewerb zu tun. China ist keine Marktwirtschaft. Die Folge der chinesischen Exportpolitik ist, dass in Europa marktwirtschaftlicher Wettbewerb verhindert wird und leistungsfähige innovative Unternehmen geschädigt werden", bemängelt der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, in der der Westdeutschen Allgemeine Zeitung (WAZ).

Der Stahlpräsident beschwert sich ferner über die Subventionen in der italienischen Stahlindustrie. Ilva sei jüngst verstaatlicht worden und habe rund zwei Milliarden Euro als staatliche Hilfe bekommen, während es die europäischen Nachbarn alleine schaffen müssten. Gegen die Subventionen der italienischen Regierung habe man bei der EU-Kommission eine förmliche Beschwerde eingereicht.