04.12.15

Stahlpreise stehen im Wechselkurs-Feuer

Die Stahlpreise geben mitunter deutlich deutlich nach. Der an der Londoner Metallbörse (LME) gehandelte Knüppelkontrakt sinkt um 4 Euro auf 156 Euro je Tonne. Noch stärker fällt der US-Terminkontrakt für Warmband. Er sinkt von 362 Euro auf 338 Euro. Hintergrund der Preisverschiebungen ist ein rapider Anstieg des Euro-Wechselkurses.

Auf die Planungssicherheit von Unternehmen nimmt die Europäischen Zentralbank (EZB) dieser Tage keine Rücksicht. Der Euro-Wechselkurs stieg am Donnerstag nach der turnusmäßigen EZB-Sitzung in Frankfurt innerhalb weniger Stunden von 1,05 Dollar auf 1,10 Dollar (+4,76%). Aktuell ist 1 Euro 1,09 Dollar wert. Notenbankchef Mario Draghi lockerte die Geldpolitik weitaus weniger, als er in den letzten Wochen in Aussicht gestellt hatte, woraufhin es zu einer Euro-Rallye kommt.


Die plötzliche Aufwertung des Euro dürfte vor allem die Lage auf dem italienischen Stahlmarkt verschärfen. Die großen Mengen billigen Importstahls, die in den italienischen Häfen liegen, werden nun wechselkursbedingt noch günstiger.

Auf Italiens Stahlmarkt kommendes Warmband aus China wird für 305 Dollar cif (Kosten, Versicherungen, Fracht bis italienischer Hafen) angeboten. Kommt ein Euro-Wechselkurs von 1,10 Dollar zum tragen, ergibt sich ein Importpreis für Warmband von lediglich 277 Euro. Würde der Wechselkurs vom Mittwoch noch gelten, als 1 Euro 1,05 Dollar wert war, läge der Importpreis bei 290 Euro.

Der durchschnittliche Stahlpreis für in Südeuropa hergestelltes Warmband lag gemäß einer Preismeldung von "The Steel Index" zuletzt bei 287 Euro pro Tonne. Wegen der neuen Wechselkurs-Situation und der derzeitigen schwachen Stahlnachfrage wird der Warmbandpreis in Südeuropa voraussichtlich weiter fallen.

Zum Thema:
Diagramme Stahlpreisentwicklung (Euro pro Tonne)