14.01.16

Findet Europas Stahlindustrie den Weg aus der Krise?

Die Flutung mit billigem Eisenerz verschärft eine ohnehin schon angespannten Lage auf dem Stahlmarkt. Der zentrale Rohstoff für die Stahlerzeugung tritt nach kurzer Erholung erneut den Gang unter 40 US-Dollar pro Tonne an. Hauptleidtragender ist die europäische Stahlindustrie, die sich wegen Subventionen bereits ein Stück weit außerhalb des marktwirtschaftlichen Koordinatensystems befindet. Auf dem amerikanischen Stahlmarkt setzen die Produzenten höhere Stahlpreise durch.

Der Eisenerzpreis sinkt auf 39,30 Dollar und liegt damit 2016 bereits mit 8,4% in der Verlustzone. 2015 bewegte sich die Eisenerzpreisentwicklung um 40% nach unten. Im Mittel lag der Eisenerzpreis im vergangenen Jahr bei 55 Dollar. Eine baldigen Rückkehr zum Rekordhoch vom Februar 2011 bei 190 Dollar ist so gut wie ausgeschlossen. China Wirtschaftswachstum hat sich in den letzten fünf Jahren halbiert. Das Reich der Mitte ist der mit Abstand größte Eisenerzverbraucher der Welt.

"China kann Eisenerz aus Australien und Brasilien so günstig bekommen, dass es weniger auf das heimische Angebot zurückgreifen muss", erklärt Ralph Leszczynski von dem italienischen Schiff-Broker Banchero Costa im Gespräch mit den Finanzdienst Bloomberg. "Die lächerlich günstigen Eisenerzpreise und Frachtraten habe den Stahlhütten erlaubt, die Produktion hoch zu halten und den internationalen Markt zu fluten."

Während die europäischen Stahlpreise keinerlei Anzeichen für eine Trendwende erkennen lassen, können US-Stahlproduzenten die zweite Preiserhöhung in wenigen Wochen durchsetzen. Gemäß einer Email der Nucor Sheet Mill Group, die "Steelmarketupdate" vorliegt, steigt der Verkaufspreis für Warmband (Hot-Rolled Coil) für alle neuen Bestellungen um mindestens 20 Dollar pro Tonne. Die Stahlpreise für Kaltband (Cold-Rolled Coil) und feuerverzinkten Flachstahl (Hot-dip Galvanized Steel) werden um jeweils 30 Dollar angehoben.

Die Preiserhöhungen sind ein Indiz dafür, dass die Hütten in den USA mit Produktionskürzungen sehr viel schneller reagiert haben, als die Hütten in Europa. Hier werden Stahlwerke von der Politik künstlich am Leben gehalten, wie der Vorgang um das italienische Ilva-Werk noch einmal unterstreicht. Die Folge ist ein unvermindert großes Stahlangebot. Billiger Importstahl aus China und auf Lager produzierter heimischer Stahl führen zu einer nie dagewesenen Stahlschwemme.

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