11.03.16

Stahlpreise und Stahlmarkt im März 2016 - ROUNDUP 2

Der zweitgrößte Stahlproduzent in der EU hat seine Industrieproduktion so stark gesteigert wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr. Italiens Industrie erhöhte ihren Ausstoß im Januar 2016 um 1,9% gegenüber dem Vormonat. Das war der höchste Zuwachs seit August 2011. Vielversprechend ist auch der Anstieg im Vergleich zum Januar 2015. Hier gab es ein Plus von 3,9%. Italiens Stahlindustrie produzierte im Januar 1,8 Millionen Tonnen Rohstahl.

An der Londoner Metallbörse (LME) zeigen die Stahlpreise für die seit dreieinhalb Monaten gehandelten Stahlkontrakte, die nicht mit physischen Stahl unterlegt sind, nach oben. Neben dem Betonstahlkontrakt steigt auch der Stahlschrottpreis. Der auf einer türkischen Schrottmischung basierende Kontrakt kletterte seit Anfang März von 183 US-Dollar (168 Euro) auf zuletzt 206 US-Dollar (189 Euro) je Tonne.

Der steile Anstieg der Stahlpreise in China geht nach Einschätzung der Rohstoffexperten der US-Investmentbank Jefferies auf eine spekulative Nachfrage zurück. Bauunternehmen in China kauften nicht mehr Stahl, sondern Händler. Sie spekulierten auf einen Anstieg, weil sie wegen einer zuletzt vorgenommenen Lockerung der Geldpolitik der chinesischen Notenbank an mehr Kredite kämen. Der Stahlpreis für chinesischen Betonstahl kletterte in der letzen drei Monaten von 1.670 Yuan (236 Euro) auf 2.147 Yuan (297 Euro).

Auch der Eisenerzpreis habe von den Stahlkäufen chinesischer Spekulanten profitiert, sagen Analysten. Der zentrale Rohstoff für die Stahlproduktion stieg zu Wochenbeginn auf knapp 64 US-Dollar - nach 38 Dollar im Dezember 2015. Aktuell liegt der Eisenerzpreis bei 58 Dollar. Trotz des Rückfalls ist Eisenerz immer noch um 33% teurer als zu Jahresbeginn.

Am Devisenmarkt kommt es zu einer ungünstigen Entwicklung für europäische Stahlproduzenten. Der Eurokurs klettert in wenigen Stunden von 1,08 auf 1,12 Dollar, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) signalisierte, die Zinsen nicht weiter senken zu wollen. Wegen des Anstiegs wird zum einen der auf dem EU-Markt kommenden Importstahl aus China günstiger. Zum anderen haben es Unternehmen wie ThyssenKrupp und Voestalpine schwerer Kunden außerhalb des Euroraums zu finden, weil dort ihre Stahlerzeugnisse wechselkursbedingt teurer werden.