03.04.16

So wollen ThyssenKrupp/Salzgitter das Ruder herumreißen

ThyssenKrupp und der indische Konzern Tata Steel erwägen eine Zusammenlegung ihres europäischen Stahlgeschäftes. Die Gespräche zwischen den beiden Unternehmen seien weit fortgeschritten, berichtet die "Rheinische Post". Die ThyssenKrupp-Aktie klettert mit 18,90 Euro auf den höchsten Stand seit vier Monaten. Salzgitter sieht seine Zukunft als Nischenanbieter. Auch das kommt bei Börsianern gut an. Die Salzgitter-Aktie steigt in zwei Monaten von 17,10 Euro auf 24,88 Euro (+45,50%).

Sollte es zwischen den Deutschen und den Indern nicht klappen, bliebe immer noch der Zusammenschluss zu einem deutschen Stahlgiganten, schreibt die Zeitung. Dass ThyssenKrupp und Salzgitter zu einem Unternehmen verschmelzen, gilt aber als ziemlich unwahrscheinlich.

Deutschlands größter Stahlkonzern ist bereits seit längerem auf Brautschau. Dies zeigten bereits die in der Vergangenheit ins Kraut schießenden Spekulationen über eine Fusion mit Siemens. "Wir gehen davon aus, dass es irgendwann zu einer Konsolidierung kommen wird. Wenn sich die Chance zur Konsolidierung bietet, werden wir uns daran beteiligen", sagte ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger zu Jahresbeginn der "Welt am Sonntag".

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Hintergrund: Mit der Kapitalerhöhung vom Dezember 2013 verringerte sich der Anteil der Krupp-Stiftung auf 23%. Dadurch entfiel die Sperrminorität, mit der die Krupp-Stiftung Fusionen und Übernahmen verhindern konnte. Der zweitgrößte Aktionär von ThyssenKrupp ist der skandinavische Investor Cevian Capital. Er hält über 15% der Aktien und soll sich im Hintergrund für Fusionen stark machen.

Bei Salzgitter, das mit dem Land Niedersachsen einen Ankeraktionär hat, der 26,5% der Stimmrechte hält, pocht man auf Selbständigkeit. "Wir planen keine Fusionen oder Zusammenlegungen", erklärte unlängst Konzernchef Heinz Jörg Fuhrmann im Gespräch mit Nachrichtenagentur Reuters. "Wir halten sehr viel von Selbstbestimmung." Damit sei der Konzern gut gefahren.

Im Moment sieht es danach aus, dass Salzgitter die Strategie des österreichischen Stahlkonzerns Voestalpine abkupfert. Die Österreicher verstehen sich als Nischenabieter für qualitativ extrem hochwertige Stahlprodukte und wollen mit dem Massengeschäft nicht viel zu tun haben.

ThyssenKrupp ist zu groß, um erfolgreich eine Nische zu besetzen. Um nicht zwischen Nischenanbietern und den großen Produzenten Ostasiens zerrieben zu werden, ist man zu Fusionen gezwungen. Es ist nicht lange her, da wollte der Konzern die erforderlichen Kostensenkungseffekte (Economies of Scale) über organisches Wachstum mithilfe neuer Werke in Brasilien und den USA erzielen. Dieser Versuch gilt aber als gescheitert.