15.04.16

Prognose: Stahlpreis-Erholung steht auf wackligen Beinen

Angetrieben von steigenden Eisenerz- und Stahlpreisen in China hat sich die Lage auf dem europäischen Stahlmarkt zuletzt verbessert. Stahlkonzerne wie ThyssenKrupp und ArcelorMittal können höhere Stahlpreise durchsetzen. Dabei spielt es eine wichtige Rolle, dass chinesischer Importstahl in Europa nicht mehr so billig zu haben ist wie im letzten Jahr.

Der Stahlpreis für Warmband kletterte in Westeuropa in den zurückliegenden zwei Monaten von 322 Euro auf 368 Euro (+14,29%), meldet das Portal "Steel Benchmarker". In Südeuropa wurde warmgewalzter Stahl aus China teurer als der aus den heimischen Stahlwerken. Dies ermöglichte dem Warmbandpreis einen Anstieg von 288 Euro auf 349 Euro (21,18%).

Doch nun blinken wieder die Alarmsgignale für China. "Die nächsten Monate werden eine Wohlfühlphase erzeugen, aber die zugrunde liegenden Probleme durch wachsende Schuldenlast, Überkapazitäten, mangelnde Nachfrage und einen hyperaktiven Finanzsektor werden zum Jahresende die Rechnung präsentieren", sagt der Präsident der Europäischen Handelskammer, Jörg Wuttke, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Regierung in Peking kaufe Wachstum auf Pump. Das könne nicht ewig gut gehen, warnen Bankenvertreter. Gehen die Kredite als Schmiermittel der Realwirtschaft aus, dürften auch die zuletzt recht stark gestiegenen Stahlpreise in Shanghai wieder einbrechen. Infolge müssten chinesische Stahlproduzenten versuchen, noch mehr ihrer Überkapazitäten auf dem Weltmarkt loszuwerden. 2015 sind Chinas Exporte von sogenanntem Billigstahl um 20 Prozent gestiegen.

Die Europäer täten womöglich gut daran, sich auf eine neue Stahlschemme aus dem Reich der Mitte vorzubereiten. Ist der Billigstahl erst einmal in Europa, kann die EU-Kommission wegen ihren langwierigen Verfahren zur Verhängung von Strafzöllen kaum noch etwas ausrichten.

Insofern wäre es aus der Sicht europäischer Stahlkonzerne wünschenswert, eine breite Palette chinesischer Stahlprodukte auf die Beobachtungsliste zu nehmen. Die EU-Kommission könnte dann bei einer neuen Stahlschwemme infolge einer wirtschaftlichen Abkühlung Chinas darauf abzielen, die Erholung des europäischen Stahlmarktes durch die rasche Verhängung von Strafzöllen zu schützen.