27.02.18

Eisenerz und Kokskohle Zünglein an der Stahlpreis-Waage

Der Stahlpreis für Betonstahl steigt auf den höchsten Stand seit drei Monaten. Am Rohstoffmarkt in Shanghai klettert der meistgehandelte Betonstahlkontrakt für Mai 2018 auf 4.000 Yuan (515 Euro) je Tonne. Die chinesische Zentralregierung ordnet an, die Produktion in der Stahlhochburg Tangshan und weiteren 27 Metropolregionen zu drosseln. Hintergrund sei die hohe Luftverschmutzung, berichtet Reuters.

Unbeeindruckt dessen verteuert sich Eisenerz mit einem Gehalt von 62% mit 79,95 US-Dollar je Tonne. Der zentrale Rohstoff für die Stahlproduktion über die Hochofenroute klettert auf den höchsten Stand seit zehn Monaten. Weil China weniger Stahl produziert, müsste der Eisenerzpreis eigentlich fallen, möchte man meinen. Dem ist aber nicht so. Die Produktionskürzungen treffen vor allem "Dreckschleudern", gemeint sind Stahlwerke, die mit chinesischem Eisenerz, das oft nur einen Gehalt von 20% hat, Stahl kochen.

Chinas Importe von qualitativ hochwertigem Eisenerz aus Australien, Brasilien und Südafrika erhöhten sich zu Jahresbeginn um 19%. Auch Kokskohle verteuerte sich. Die Preis für hochwertige Kokskohle aus Australien steht aktuell mit 240 US-Dollar je Tonne in der Nähe eines 8-Monatshochs. Man darf nun gespannt sein, wie die Stahllobby auf die Lage am Rohstoffmarkt reagiert.

Wirtschaftsvereinigung Stahl und Eurofer lamentieren seit Jahren über Chinas Überkapazitäten. Jetzt, da Stahlwerke im Reich der Mitte schneller stillgelegt werden, als viele dachten, führt das zu einem Verdrängungswettbewerb um Eisenerz und Kokskohle auf dem Weltmarkt. Die Folge: Für europäische Stahlproduzenten steigen die Rohstoffkosten.

Den Kostenanstieg werden die Unternehmen wegen geltender Lieferverträge gegen Jahresmitte zu spüren bekommen. Dann dürften sie es allerdings ungleich schwerer haben, höhere Stahlpreise bei ihren Kunden durchzusetzen, als das derzeit der Fall ist. "Die europäischen Flachstahlpreise werden unter negativen Druck geraten, während sich der Sommer nähert", prognostiziert die Metallberatungsgesellschaft MEPS.

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