22.03.18

Industriedämpfer verhagelt Stahlpreis-Ausblick

Der Stahlpreis für warmgewalzten Stahlt in Nordeuropa war per 21.03.18 bei 570 Euro je Tonne. Kaltgewalzter Stahl kostete im Schnitt 670 Euro. Stahlproduzenten hätten ihr Warmband-Produktion für das 2. Quartal 2018 größtenteils verkauft, aber bisher keine Preiserhöhungen angekündigt. Für die Produktion des 3. Quartals 2018 versuchten die Hersteller höhere Verkaufspreise durchzusetzen, berichtet Metal Bulletin. Ob das gelingt, ist angesichts einer wegbrechenden Industriekonjunktur fragwürdig.

"Die deutsche Wirtschaft verlor im März weiter an Fahrt und verzeichnete das schwächste Wachstum seit acht Monaten", heißt es in einem Bericht zu den Einkaufsmanager-Daten des Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) und IHS Markit. Im stahlintensiven Industriesektor gebe es eine Nachfrageflaute, die Unternehmen hätten das niedrigste Auftragsplus seit knapp anderthalb Jahren verbucht. Auf den anderen Seite geraten die Unternehmen auf der Beschaffungsseite in unruhiges Fahrwasser.

"Besonders stark legten die Einkaufspreise in der Industrie zu, nicht zuletzt wegen der Verteuerung von Rohstoffen wie Stahl und Holzprodukten. In beiden Sektoren trieben auch die aktuellen Lohnsteigerungen die Kosten in die Höhe." In Frankreich sackt der Einkaufsmanager-Index (PMI) für das Produzierende Gewerbe auf 53,6 Punkte ab und befindet sich damit nur noch wenige Zähler über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. In Deutschland ist der PMI-Index zwar mit 58,4 Punkten deutlich höher. Allerdings zeigt auch hier der Trend nach unten.

In Anbetracht der PMI-Frühindikatoren muss man hinterfragen, inwieweit die neuen Konjunkturprognosen der "Wirtschaftsweisen" eine gewisse Euphorie-Komponente der an ihrer Erstellung beteiligten Volkswirtschafts-Professoren beinhalten. Das Beratergremium der Bundesregierung hat seine Wachstumsprognose für das laufende Jahre gerade von 2,2% auf 2,3% angehoben. "Nach dem kräftigen Wachstum der vergangenen Jahre befindet sich die deutsche Wirtschaft somit in einer Hochkonjunkturphase", betonen die fünf Experten.

Tatsächlich ist es so da, dass die deutsche Wirtschaft Ende 2017 in einer Hochkonjunktur-Phase war, und dass der grenzenlose Optimismus der Konjunkturexperten bereits auf veraltetem Zahlenwerk beruht. Dafür spricht auch der ifo-Geschäftsklimaindex, der im März zum zweiten Mal in Folge gesunken ist. Sollte es im April erneut zu einem Rückgang kommen, läge ein bestätigter Konjunkturabschwung vor, also genau das Gegenteil von dem, was die Wirtschaftsweisen prognostizieren.