07.05.18

Rasante Ausweitung der Stahlpreise hält an

Der Stahlpreis für Warmband aus Nordeuropa lag bei 560-580 Euro je Tonne per 2. Mai 2018. Der Abstand zu den US-Verkaufspreisen ist riesig:
  • Der US-Warmbandkontrakt notiert an der Chicago Mercantile Exchange (CME) aktuell bei 862 US-Dollar je Short Tonne (907,185 kg). Bei einem Euro-Wechselkurs von 1,20 US-Dollar ergibt sich damit ein potenzieller Exportpreis für europäische Hersteller von 792 Euro je Tonne (1.000 kg).
  • Der Stahlpreis für Warmband an der Ostküste lag zuletzt bei 955 US-Dollar (783 Euro) fob ab Stahlwerk.

Diagramme: Vergleich Warmbandpreise Westeuropa vs. USA

Früher oder später werden die Stahlpreise zusammenlaufen müssen. Wann dieser Prozess beginnt, ist jedoch unklar. Sollte Donald Trump die EU dauerhaft von Stahlzöllen befreien, könnte das der Startschuss sein. EU-Kommission und Stahllobby sind mit der gerade bis zum 1. Juni 2018 verlängerten Ausnahmeregelung unzufrieden:

"Die Verlängerung der Ausnahme der EU-Stahlindustrie von den US-Zöllen für 30 Tage verschafft den Stahlunternehmen in Deutschland und Europa eine weitere kurze Atempause. Erforderlich ist jedoch eine dauerhafte Befreiung", erklärt die Wirtschaftsvereinigung Stahl.

Ob Trump dazu bereit ist, entscheidet die US-Konjunktur. Der US-Präsident hat ein Wirtschaftswachstum von 3% versprochen. Wenn er das schafft, dürfte er geneigt sein, den Europäern die Stahlzölle von 25% permanent aufs Auge zu drücken.

Kämen US-Wirtschaft und Wall Street ins Straucheln, geriete Washington in die Defensive. Man wäre eher bereit Zugeständnisse zu machen, um nicht in einen was die Amerikaner negativen Feedback-Loop nennen (Teufelskreis) aus sinkenden Aktienkursen, eingetrübter Verbraucherstimmung und Gegenmaßnahmen der EU und China zu geraten.