17.05.18

Stahlbranche bleibt von Konjunktur-Gezeitenwechsel verschont

Es gibt ein großes Rätselraten in Deutschland über Stahlnachfrage und Konjunkturverlauf. Aus der Stahlbranche kommt sehr viel Positives, harte Fundamentaldaten bestätigen den Optimismus allerdings nicht. Ein wieder steigende Stahlpreis für Warmband signalisiert, dass die Konjunktur-Pessimisten auf dem Holzweg sind.

Der Ausblick für den stahlverarbeitende Wirtschaftsteile für 2018 und 2019 seien "ziemlich gesund", heißt es in der 🔗neuen Lagebeurteilung des europäischen Stahlverbandes Eurofer. Stahlproduzenten berichten über ein gesteigertes Aufkommen an Preisanfragen. Die Geschäftslage der Stahleinkäufer sei exzellent, zitiert Platts den Mitarbeiter eines Stahlproduzenten.

Die deutsche Wirtschaft ist zwar zu Jahresbeginn gewachsen. Das Tempo hat sich aber deutlicher abgeschwächt als erwartet. So lag das Quartalswachstum bei 0,3%. Im Schlussquartal 2017 hatte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch um 0,7% erhöht. Der gerade veröffentliche ZEW-Index zu den Konjunkturerwartungen bleibt recht schwach. Die Chancen, dass Deutschland auf den höheren Wachstumspfad zurückfindet, sind gering.

Für die Stahlbranche spielt das aber bislang keine Rolle. Das hängt auch damit zusammen, dass das Verarbeitende Gewerbe immer noch einen extrem hohen Auftragsbestand vor sich her schiebt. Um diesen abzuarbeiten, brauchen die Unternehmen jede Menge Stahl. Und so kletterte der Warmbandpreis in Westeuropa Mitte Mai laut Steel Benchmarker um 8 Euro auf 564 Euro je Tonne. Es war der erste Anstieg seit Ende Februar 2018.

Hinzu kommt, dass das so genannten Headline-BIP-Wachstum für Deutschland zwar enttäuschte. Die Investitionen legten allerdings kräftig zu: "Vor allem in Bauten, aber auch in Ausrüstungen wurde deutlich mehr investiert als im vierten Quartal 2017", meldet das Statistische Bundesamt.

Ergebnis:
Die Stahlbranche profitiert von der ungebrochen guten Lage des Verarbeitenden Gewerbes und auf dem Bau. Anders als der Dienstleistungssektor leidet sie nicht so sehr darunter, dass die Konsumausgaben des Staates in den ersten drei Monaten 2018 zum ersten Mal seit fünf Jahren rückläufig waren.