23.05.18

Stahlpreise und Stahlmarkt: Mittwoch, 23. Mai 2018

Stahlproduzenten verdienen gut
"Wir glauben die Zukunft (für die Stahlproduzenten) ist besser als die Vergangenheit, aber schlechter als die Gegenwart", zitiert die Financial Times den Stahlexperten Seth Rosenfeld von der der US-Bank Jeffries. Die Frage sei, wo die Neue Normalität liege und wie tief die Stahlpreise dafür fallen müssten. In Deutschland haben sich die Stahlpreise für warmgewalzten Stahl seit ihren Rekordtiefs Ende 2015/Anfang 2016 verdoppelt.

Den Stahlproduzenten geht es ziemlich gut. Hintergrund sind deutlich über dem historischen Durchschnitt liegende Metall-Spreads. Der Unterschied zwischen den Stahlpreisen und den Bezugskosten für die zentralen Rohstoffe Eisenerz, Kohle, Stahlschrott wird laut Jeffries auch zukünftig recht weit aufgespreizt bleiben, was Stahlproduzenten wie ArcelorMittal und Thyssenkrupp helfen sollte, ihre Erträge auf hohem Niveau zu stabilisieren.

Deutschlands größter Stahlkonzern kommt nicht zur Ruhe
Bei Thyssenkrupp will keine Ruhe einkehren. Nach einer fast zweijährigen Hängepartie über die Zusammenlegung des Stahlgeschäfts mit Tata Steel sägt ein neuer Investor an dem Stuhl von Vorstandschef Heinrich Hiesinger. Der US-Hedgefondsmilliardär Paul Singer wolle ein Aktienpaket von Thyssenkrupp übernehmen, berichtet der Finanzdienst Bloomberg. Ziel sei es bei den abschließenden Verhandlungen über die Stahlfusion mit Tata mitzureden und Konzernchef Heinrich Hiesinger zu entlassen.

Das ist aus der Sicht der Stahl-Belegschaft von Thyssenkrupp eher eine schlechte Nachricht. Sie hatten dem Zusammengehen mit Tata Steel vor allem zugestimmt, weil Hiesinger ihnen Beschäftigungsgarantien gegeben hatte. Darüber hinaus ist die IG Metall aufgebracht, weil das profitable niederländische Stahlwerk in Ijmuiden seine Gewinne nicht in die neue Gesellschaft einbringen soll. Damit besteht die Gefahr, dass die deutschen Stahlwerke mit ihren Gewinnen Verluste im britischen Tata-Stahlwerk Port Talbot ausgleichen müssen.

Inzwischen ist es sogar denkbar, dass die Thyssen-Tata-Fusion abgeblasen wird. Der für den schwedischen Anteilseigner Cevian im Aufsichtsrat sitzende Jens Tischendorf will die Vorteile der Fusion erneut zu überprüfen. Es muss nun damit gerechnet werden, dass der Investor Cevian, der keinen Hehl daraus macht Thyssenkrupp zerschlagen zu wollen, sich mit Singer verbündet und den Konzern verschlankt, was viele Arbeitsplätze kosten könnte.