06.06.18

Stahlpreise und Stahlmarkt: Mittwoch, 6. Juni 2018

Stahllobby voll in ihrem Element
Die deutschen Stahlproduzenten wollen ihre Schäfchen ins Trockene bringen. Hintergrund sind sprudelnde Gewinne. Die Stahlindustrie ist dabei das beste Jahr seit 2008 einzufahren. Und so geht es aktuell auch darum, die US-Strafzölle als Vorwand zu nehmen, um sich ausländische Konkurrenz vom Leib zu halten und Preissetzungsmacht zurückzuerlangen.

Bereits die bloßen Ankündigung und Drohungen der USA Strafzölle auf Stahl einzuführen, hätten zu ersten Umleitungseffekten geführt. Es sei bereits ein verstärkter Importdruck zu spüren, sagt die Wirtschaftsvereinigung Stahl. Nach Inkrafttreten der US-Strafzölle sei es jetzt wichtig, die Stahlunternehmen durch Safeguard-Maßnahmen vor umgelenkten Handelsströmen zu schützen.

Stahlpreise vom internationalen Markt abkoppeln
Dass die seit Wochen im Raum stehenden Safeguard-Maßnahmen der EU-Kommission die Unsicherheit für EU-Stahlimporteure bereits spürbar erhöht hat, dürfte die Stahllobby dankbar zur Kenntnis nehmen. Die Stahlproduzenten haben ein großes Interesse daran, den Import von chinesischen Flachstählen, die europäische Stahlverarbeiter (Re-Roller) dann weiterverarbeiten, zu erschweren.

Der durchschnittliche Stahlpreis für in Europa hergestelltes und ausgeliefertes Warmband und der Stahlpreis für chinesisches für den Export bestimmtes Warmband weise eine hohe Korrelation (Gleichlauf) auf, heißt es in einem neuen Research-Papier von Metal Bulletin.

Die Korrelation wäre kleiner, könnten europäischen Re-Roller wegen EU-Safeguard Maßnahmen nicht mehr so ohne weiteres auf chinesischen Stahl zurückgreifen. Sie müssten mehr Stahl aus europäischer Produktion kaufen. Dadurch würden die großen, integrierten Stahlwerke Preissetzungsmacht, die ihnen seit der Finanz- und Wirtschaftskrise vor zehn Jahren abhanden gekommen ist, zurückerlangen.