21.08.19

Misere der Stahlindustrie zum Teil selbstverschuldet

In der Stahlindustrie wächst der Unmut über die EU-Kommission. Sie riegele den heimischen Mark vor Importstahl aus China und anderen Ländern nicht genug ab, lautet ein gängiger Vorwurf. 2018 sind 11% mehr importierte Stahlerzeugnisse auf auf den EU-Markt gelangt. Die USA haben hingegen im Lichte eines pauschalen Importzolls von 25% einen Rückgang ihrer Stahlimporte von 10% verzeichnet.

Brüssel plant fünf Prozent höhere Stahlimporte zuzulassen. "Die Vorschläge der EU-Kommission zur Anpassung der Zollkontingente im Rahmen der EU-Safeguardmaßnahmen sind unzureichend und werden die Stahlindustrie in Deutschland und Europa nicht wirksam vor massenhaften Stahlimporten schützen", sagt Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl.

Es ist keinesfalls so, dass der EU-Stahlmarkt offen ist wie ein Scheunentor. Es wurde ein bunter Strauss an Maßnahmen ergriffen, um die Stahlproduzenten zu schützen. Ferner gibt es EU-Länder, die keine nennenswerte Stahlproduktion aufweisen und sich mehr Importstahl wünschen. Man kann nicht verlangen, dass diese Länder deutsche Hersteller quersubventionieren, in dem sie zu hohe Stahlpreise bezahlen.

Es rächt sich, dass die Stahlproduzenten Modernisierung und Innovation im Handel ihrer Produkte bisher kaum unterstützt haben. "Europäische Stahleinkäufer erledigten seit Jahrzehnten ihre Käufe auf die gleiche Weise", heißt es in einem Artikel des Finanzdienstes Bloomberg. In Russland und China sei die Stahlindustrie hingegen rascher auf Online und eCommerce umgestiegen.

Das größte Problem für die Stahlindustrie ist momentan die prekäre Lage der Automobilindustrie. Die deutsche Pkw-Produktion brach im laufenden Jahr so stark ein wie während der Finanzkrise 2008. Auch den Automobilproduzenten muss man den Vorwurf machen, die Zukunft zu verschlafen. Bei den Elektroautos für das Mittelklassesegment haben sie den Kunden nicht viel zu bieten und hinken der Konkurrenz hinterher.

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