13.11.19

ArcelorMittal setzt Hochofen in Krakau außer Betrieb

"Da sich die Situation auf dem Stahlmarkt weiter verschlechtert und die Aussichten weiterhin eingetrübt sind, haben wir leider keine andere Wahl, als den Hochofen in Krakau vorübergehend außer Betrieb zu setzen", sagt Geert Verbeeck, ArcelorMittal-Chef in Polen. Damit wächst die Sorge unter den Stahlarbeitern von Thyssenkrupp, dass auch ihr Arbeitgeber die Produktion aussetzen wird.

Es sei derzeit nicht geplant, einen unserer Hochöfen abzuschalten, erklärte ein Thyssenkrupp-Sprecher letzte Woche gegenüber "Argus". Laut Eurofer wird die Stahlnachfrage in Europa in diesem Jahr um 3,1% fallen. Für das nächste Jahr rechnet der Verband mit einem Anstieg, herrührend in erster Linie aus einen Lageraufbau, von 1,4%.

"Der derzeitige Abschwung des Verarbeitenden Gewerbes in der EU dürfte nicht so schnell ein Ende haben", sagt Eurofer-Direktor Axel Eggert. Auf der anderen Seite gilt hervorzuheben, dass Auftragseingang, ifo-Geschäftsklimaindex und Konjunkturerwartungen zuletzt positiv überraschten. Es lässt sich bisher aber nicht sagen, ob dies der Anfang eines längeren Aufschwungs ist, von dem die Stahlindustrie stark profitieren würde.

Obschon des unsicheren Ausblick liegt es im Bereich des Möglichen, dass die Stahlproduzenten höhere Verkaufspreise durchsetzen. Hintergrund sind von den Stahlkochern bereits vorgenommene Produktionskürzungen, die nun verstärkt beginnen zu wirken. Darüber hinaus ist kaum Importstahl zu wettbewerbsfähigen Preisen auf dem Markt. Das liegt auch am schwachen Euro, für den es aktuell lediglich 1,10 US-Dollar gibt.

Importiertes Warmband ist in Antwerpen für 400-410 Euro cfr beziehbar. "Die Käufer in Nordeuropa drängen auf niedrigere Preise, aber mit wenig Erfolg. Der Euro-Dollar-Wechselkurs hat auch die Wettbewerbsfähigkeit von importiertem Material beeinträchtigt", berichtet "Argus". Der von dem Rohstoffdienst ermittelte Warmbandpreis für Stahl aus nordwesteuropäischen Hochöfen lag bei 413,50 Euro je Tonne per 12. November 2019.