Stahlpreis Prognose: Langsam geht es runter

26.04.22

Stahlpreis Prognose: Langsam geht es runter

Der Stahlpreis für warmgewalzten Stahl sinkt in Westeuropa um 40 Euro auf 1.310 Euro je Tonne per 25. April 2022, meldet Platts. Es war der fünfte Rückgang in Folge der wöchentlich erfassten Stahlpreisentwicklung. Es wird nicht der letzte sein, als sich die Lage an den Beschaffungsmärkten für die Stahlhersteller entspannt. Panik-Preise sind nicht länger das Gebot der Stunde.

Weil sie mit sinkenden Stahlpreisen rechnen, halten sich die Käufer von Flacherzeugnissen mit Bestellungen zurück. Die Stahlhersteller hätten zwar höhere Kosten. Mit ihren Preiserhöhungen seien sie aber über das Ziel hinausgeschossen, erläutert ein Stahlhändler gegenüber Platts.

Im Verarbeitenden Gewerbe hat sich die Stimmung im April verbessert. Der vom ifo-Institut erhobene Geschäftsklimaindex legte nach seinem Absturz um März moderat zu. Die Unternehmen steigerten ihre Erwartungen. "Mit der aktuellen Lage waren sie hingegen etwas weniger zufrieden", sagt ifo-Präsident Clemens Fuest.

Diagramm Stahlpreisentwicklung 2022 Euro je 1000 kg

2022 ist geprägt von einer turbulenten Stahlpreisentwicklung. Zu Jahresbeginn war noch alles im Lot. Der Warmbandpreis stieg im Einklang mit der guten Wirtschaftslage in den ersten beiden Monaten um 50 Euro auf 960 Euro je Tonne.

Der Kriegsausbruch in der Ukraine führte dann im März zu einem äußerst steilen Anstieg auf 1.425 Euro. Stahl zu produzieren wurde extrem teuer: Hintergrund ist ein rasanter Anstieg der Energiekosten (Strom, Gas, Erdöl).

Überdies untergraben zu diesem Zeitpunkt sehr hohe Preise für Stahlschrott, Eisenerz und Kohle die Planungen der Stahlhersteller. Sie reagieren mit kräftigen Preiserhöhungen. Und hier sind sie offenbar über das Ziel hinausgeschossen.

  • Auf dem Weltmarkt kostet Eisenerz mit einem Gehalt von 62% aktuell 151 US-Dollar je Tonne. Vor Kriegsausbruch waren es 142 Dollar.
  • Die zweieinhalbfache Verteuerung von Kohle ist ebenfalls dabei aus der Preisentwicklung herausgewaschen zu werden. Der Kohlepreis sank seit seinem Höchststand Anfang März bei 440 Dollar um ein Viertel.
  • Auch die Stahlschrottpreise sind am sinken. Der türkische Exportpreis, an dem sich die deutschen Schrottpreise mit orientieren, sank seit Anfang April um 14%. Damit können die Stahlhersteller unter Verweis auf den fallenden Exportpreis von Schrotthändlern tiefere Stahlneu- und altschrottpreise einfordern.

Die Beschaffungsmanager der Stahlhersteller stehen nicht länger vor einer unlösbaren Aufgabe: Es lässt sich recht gut planen, zu welchen Preisen man künftig Eisenerz, Kohle und Stahlschrott einkauft. Und damit hat man dann auch die Kosten der Stahlherstellung im zweiten Halbjahr 2022 und Anfang 2023. Vor diesem Hintergrund erscheint der aktuelle Stahlpreis für Warmband von 1.310 Euro deutlich zu hoch.

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