Stahl Entwicklung 2023: Erst hoch, dann runter

03.01.23

Stahl Entwicklung 2023: Erst hoch, dann runter

Die Verringerung der Stahlerzeugung ist die schärfste seit zweieinhalb Jahren. Ist Stahl dabei zur Mangelware zu werden? Die deutsche Hersteller schreiten mit kräftigen Preiserhöhungen voran. Entsprechend hoch sind die Chancen, dass der Stahlpreis für warmgewalzten Stahl mit einer Sieben ins neue Jahr startet.

Plötzlich werden Flacherzeugnisse knapp: Am Spotmarkt fordert ein deutscher Stahlhersteller 740 Euro je Tonne frei Werk Ruhr für Warmband. Das ist noch einmal deutlich höher als der Spotpreis, der zuletzt laut dem Branchendienst Platts im Dezember von 610 Euro auf 680 Euro kletterte.

"Die Rohstahlerzeugung in Deutschland ist im November 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent auf rund 2,8 Millionen Tonnen eingebrochen", meldet die Wirtschaftsvereinigung Stahl. Bei warmgewalzten Erzeugnisse verringerten Hersteller wie Thyssenkrupp, ArcelorMittal und Salzgitter um 15%.

Mit Blick auf den auf Angebot und Nachfrage basierenden Gleichgewichtspreis gibt es für Stahlkäufer nichts zu beschönigen. Neben der Angebotsverknappung sei die Stahlnachfrage am steigen, sagen Fastmarkets und Platts übereinstimmend. Darüber hinaus sei die Verfügbarkeit von preislich attraktivem Importstahl begrenzt.

"Das Überangebot (von Stahl) ist vorbei, weshalb die Preis weiter steigen werden", meint der Mitarbeiter eines deutschen Stahl-Service-Center. Im ersten Quartal 2023 stünden Stahlherstellern eine größere Preissetzungsmacht zur Verfügung. Die Lagerbestände seien gering und die Importpreise nicht attraktiv seien, meint ein Stahlhändler.

Liniendiagramm Stahlpreis Absturz gefolgt von Anstieg

Einige Marktteilnehmer führen an, dass Stahlhersteller höhere Energiekosten zu decken hätten. Das dürfte aber längst geschehen sein. Tatsächlich haben Stahlhersteller wegen steigenden Gasspeicher-Füllständen inzwischen eine Planungssicherheit, von der sie im Sommer nur träumen konnten. In Deutschland steigen die Gasspeicher-Füllstände auf 90%.

Noch ist eine Gasschwemme etwas für die Gerüchteküche. Allerdings ist sie nicht so abwegig. Der für den Gashandel richtungsweisende niederländische Terminkontrakt TTF sank zwischen Ende August 2022 und Anfang Januar 2023 von 340 Euro je Megawattstunde auf 76 Euro (-77%).

Käme zu niedrigeren Erzeugungskosten für Stahl eine schwächere Stahlnachfrage, würden die Preise wieder einknicken. Bereits Mitte Januar könnten Stahlabnehmer ihre Lagerbestände zur Genüge aufgestockt haben. Eine solche Konstellation hatte es im September 2022 gegeben. Damals bliebt der Anstieg des Warmbandpreises bei 790 Euro hängen.