Stahl ist plötzlich ein Risikowerkstoff - hohe Bezugskosten

04.03.23

Stahl ist plötzlich ein Risikowerkstoff - hohe Bezugskosten

Der Anstieg der Stahlpreise ist der steilste seit einem Jahr. Stahlabnehmer müssen sich sputen, um an den immer teurer werdenden Werkstoff Stahl auch künftig zu adäquaten Preisen heranzukommen. Entsprechend hoch sind die Chancen, dass der Preis für warmgewalzten Stahl demnächst mit einer Neun beginnt.

Die Entwicklung der Stahlpreise in Deutschland geht laut Stahlherstellern und Händlern im März nach oben. Die Lage hat sich gegenüber Februar deutlich aufgehellt. Ein von dem Branchendienst S&P Global erhobener Index, der die Preiserwartungen abbildet, kletterte von 54 Punkten auf 75 Zähler.

Plötzlich ist es gefährlich für Stahleinkäufer auf Sicht zu fahren. Wer zu spät kommt, muss deutlich mehr bezahlen. "Die Stahlhersteller haben mit Blick auf die Preissetzungsmacht die Oberhand", sagt ein Händler. Ihre Auftragsbücher seien bis Juni voll. Importierter Stahl sei knapp und erst ab August verfügbar, so der Experte.

Für Stahleinkäufer gibt es nichts zu beschönigen: 900 Euro je Tonne ist für den Warmbandpreis in Reichweite, nachdem er Ende Februar den Sprung über 800 Euro schaffte. In Deutschland kostet Warmband am Spotmarkt aktuell 805 Euro je Tonne – nach 605 Euro Ende November 2022.

Liniendiagramm Anstieg Stahlpreis Entwicklung auf 805 €

Händler wappnen sich für Preisanstieg

Eine Unterbrechung des Aufwärtstrend kommt laut denen am Terminmarkt agierenden Stahlhändlern nicht in Frage. Gemäß ihren Preisvorstellungen ist noch Platz nach oben. Der Warmband-Terminkontrakt Nordeuropa für Juni 2023 (Globex/Argus) notiert aktuell bereits bei 870 Euro.

Die Experten des Branchendienstes Platts schlagen in die gleiche Kerbe. Die Stahlpreise für warm gewalzten Stahl aus nordeuropäischen Hochöfen stünden vor einem Anstieg. Antriebsfeder seien Lageraufstockungen, sagen sie. ArcelorMittal habe seine Flachstahlpreise europaweit um 20 Euro angehoben. In Deutschland verlange der Branchenprimus nun 840 Euro.

Distributoren, die momentan ihre Fähnchen für höhere Stahlpreise in den Wind hängen, werden nicht zögern ihre Meinung zu ändern, sollte eine Schieflage zwischen Angebot und Nachfrage entstehen. Die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe hat sich im Februar laut ifo-Geschäftsklimaindex zum vierten Mal in Folge verbessert. Die Industriebetriebe verzeichneten jedoch weniger Neuaufträge.

Im späteren Verlauf des Jahres dürfte sich die Stahlnachfrage der Industriebetriebe wieder abschwächen. Käme dann noch eine erhöhtes Angebot wegen der Wiederinbetriebnahme von Hochöfen sowie die gesunkenen Erzeugungskosten aufgrund des Gaspreis-Absturzes hinzu, wäre der erwartete Ausflug des Warmbandpreises über 900 Euro von kurzer Dauer.

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