30.11.15

Schutzzölle sollen Stahlpreise aufhalten

Wegen niedrigen Stahlpreisen fordern die Stahlproduzenten Schutzzöllen. "Anti-Dumping-Maßnahmen sind bei den derzeitigen globalen Rahmenbedingungen für die Stahlindustrie auch in Europa absolut unumgänglich", sagt Voestalpine-Chef Wolfgang Eder der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Der aus China nach Europa strömende Billig-Stahl ist aber nicht die alleinige Wurzel des Problems.

"Die EU muss jetzt vor allem schnell handeln, sonst werden wir mit Stahl aus anderen Regionen zugeschüttet", erläutert Eder. Das werde die Preise nur noch weiter unter Druck setzen. Über den Sommer sanken die Stahlpreise wegen der Einfuhren aus China massiv. In Deutschland und Frankreich fiel der durchschnittliche Verkaufspreis für Warmband von 404 Euro Ende Mai 2015 auf zuletzt 325 Euro pro Tonne, wie eine Referenzliste von "Steel Benchmarker" zeigt.

Auch der Ruf nach Schutzmaßnahmen der Wirtschaftsvereinigung Stahl wird lauter. "Die Importsituation der EU hat sich 2015 dramatisch zugespitzt", sagt der Präsident des Stahlverbandes, Hans Jürgen Kerkhoff. Es gehöre zu den grundlegenden Verpflichtungen der EU und ihrer Mitgliedsstaaten, ihre Industrie vor unfairen Handelspraktiken von Drittländern zu schützen.

Branchenvertreter sehen europaweit Tausende Jobs in der Stahlindustrie bedroht. In der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, dies sei nur auf chinesischen Importstahl zurückzuführen, sei aber falsch, sagen Kritiker. Die Europäer hätten es versäumt, ihre Hausaufgaben zu machen. Das gelte vor allem für Südeuropa. In Italien lässt die Regierung Hochöfen durch staatliche Subventionierungen weiterlaufen.

Und so sei die Verhängung von Schutzzöllen auch nicht die Lösung für die Stahlindustrie, räumt Eder ein. Von der EU-Kommission verhängte Anti-Dumping-Maßnahmen dienten lediglich dazu, etwas Zeit zu kaufen. Man werde in Europa um eine Lösung des Problems mit den Überkapazitäten nicht herumkommen, so der Voestalpine-Chef.