29.04.16

Beschleunigtes Wachstum: Profitiert die Stahlindustrie?

Der Anstieg der Stahlpreise kommt nicht von ungefähr. Europas Wirtschaft überrascht mit einem kräftigen Wachstum. Im ersten Vierteljahr erhöhte sich die Wirtschaftsleistung im Euroraum um 0,6% gegenüber dem Vorquartal, teilt Eurostat mit. Das waren 0,2% mehr als Volkswirte erwartet hatten.

Frankreichs Wirtschaftswachstum lag zwar mit 0,5% unter dem Durchschnitt der Euroländer. Allerdings hatten die Experten nur mit einem Plus von 0,4% gerechnet. Insofern ist das halbe Prozent Wachstum in Europas zweitgrößter Volkswirtschaft eine gute Nachricht. Spanien, das im März abermals mehr Rohstahl produzierte als Frankreich, konnte seine Wirtschaftsleistung um 0,8% steigern.

Für Deutschland und Italien, die zwei wichtigsten Stahlmärkte der EU, liegen noch keine konkreten Zahlen zur Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) vor. Bei den Zahlen des Statistikamtes Eurostat handelt es sich um erstmalig veröffentlichte Schnellschätzungen. Es deutet sich allerdings an, das Deutschland einen BIP-Anstieg von 0,7% schaffte und Italien von 0,5%.

"Der Ausblick für den europäischen Stahlmarkt ist trüb", sagte der Präsident des europäischen Stahlverbandes (Eurofer), Geert Van Poelvoorde, in dieser Woche auf einer Pressekonferenz. Gemäß den Eurofer-Prognosen wird der Stahlverbrauch im laufenden Jahr stagnieren, bevor er dann 2017 um 1,6% steigt.

Die nun vorliegenden gesamtwirtschaftlichen Wachstumsszahlen legen nahe, dass der Stahlverbrauch bereits im laufenden Jahr etwas steigen könnte. Van Poelvoorde, der auch Chef der europäischen Stahlsparte von ArcelorMittal ist, würde am liebsten alle Stahlprodukte, die aus Drittländern kommen von der EU-Kommission auf Preisdumping untersuchen lassen. Die Stahlimporte in die EU erhöhten sich 2015 um 22,5%.

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