23.04.16

Europas Stahlbranche fehlt tragfähiges Zukunftskonzept

Politiker und Konzernlenker verstricken sich in Widersprüchen. Sie verunsichern die Stahlbranche und deren Belegschaften. Einen roten Faden gibt es nicht. Voestalpine-Chef Wolfgang Eder spricht sich gegen staatliche Hilfen für angeschlagene Stahlkonzerne aus. EU-Binnenmarktkommissarin Elzbieta Bienkowska kann sich hingegen sehr wohl vorstellen, dass man Subventionen verteilt.

Langfristig "macht es keinen Sinn, sich über Anti-Dumping-Maßnahmen (Strafzölle) gegen den Weltmarkt abzuschotten, um danach mit der Notwendigkeit konfrontiert zu sein, dass man die Werke doch noch subventionieren muss", sagte Eder laut dem "Industriemagazin" bei einem Presseauftritt in Wien. Eders Tenor: Subventionen hin oder her, Europa müsse seine Überkapazitäten abbauen.

In der EU-Kommission sieht man das anders. "Wir müssen darüber diskutieren, ob wir bei der Beurteilung von staatlichen Hilfen nicht flexibler sein können", erklärte die Kommissarin Bienkowska im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen". Das bestehende Regelwerk sieht vor, dass EU-Länder Stahlkonzerne finanziell nicht stützen dürfen. Das Verbot ist nach Einschätzung der Polin wegen der schwierigen Lage der Stahlindustrie zu hinterfragen.

Fusionen

Auch bei der Konsolidierung der Stahlindustrie gibt es keine Fortschritte. Ob, wann und mit wem eine Konsolidierung stattfinde, sei heute noch absolut unklar, sagte thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger. Damit nahm er Gerüchten über eine Zusammenlegung seines europäischen Stahlgeschäftes mit dem indischen Konzern Tata Steel den Wind aus den Segeln. Zwischen den Deutschen und Indern dürfte es große Unterschiede in Sachen Unternehmenskultur geben. Daran scheitern oft Fusionen.

Bei Salzgitter, das mit dem Land Niedersachsen einen Ankeraktionär hat, der 26,5% der Stimmrechte hält, pocht man auf seine Selbständigkeit. "Wir planen keine Fusionen oder Zusammenlegungen", erklärte Konzernchef Heinz Jörg Fuhrmann gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Ob der Salzgitter-Chef daran festhalten kann, ist unklar. Sein Kollege Eder gibt zu bedenken: "In Europa werden Produkte erzeugt, die genauso in Indien und Brasilien erzeugt werden. Damit kommen wir aber nicht gegen die Ukraine, Russland und China an. Mit einem europäischen Kostenbild habe ich dagegen keine Chance."