01.05.16

Stahlpreise zu hoch? Spekulanten entdecken Stahlmarkt

In China wird mit Stahlprodukten spekuliert, was das Zeug hält. Die Märkte sind inzwischen so heiß gelaufen, dass die Behörden eingreifen. Peking fürchtet einen Aderlass wie am Aktienmarkt. Der Eisenerzpreis stieg seit Jahresbeginn um mehr als 50%. Der oft für die Beurteilung des Zustandes von Chinas Stahlindustrie herangezogene Betonstahlpreis erhöhte sich an der Terminbörse in Shanghai um 40%.

Spekulation auf steigende Stahl- und Eisenerzpreise fallen auf fruchtbaren Boden. Chines Regierung hat Konjunkturprogramme aufgelegt, um den Immobilienmarkt und das Produzierende Gewerbe anzufachen. Ein von der Deutschen Bank erhobener Geschäftsklimaindex für die chinesische Wirtschaft konnte in den letzten Monaten deutlich zulegen.

Gleichwohl stellt sich die Frage der Nachhaltigkeit des Preisanstiegs. Die großen Bergbaukonzerne winken ab. Sie gehen nicht davon aus, dass der Eisenerzpreis bei 60-70 US-Dollar je Tonne bleibe. Er glaube nicht, dass das gegenwärtige Preisniveau anhalte, sagt Mike Henry, Australien-Chef bei BHP Billiton, der Wirtschaftszeitung "Australien Financial Review".

Wer weiter auf steigende Stahlpreise in China spekulieren möchte, muss mehr Geld als Sicherheit bei seinem Broker hinterlegen, höhere Handelsgebühren zahlen und sich mit kürzeren Handelszeiten zufrieden geben. Mit diesen Maßnahmen wollen die Behörden die Spekulation nun eindämmen. Es scheint etwas zu bringen: Der Stahlpreis für Betonstahl sank in der letzten Woche von 2.708 Yuan (369 Euro) auf 2.507 Yuan (339 Euro).

Das könnte erst der Anfang gewesen sein, nimmt man den Shanghaier Aktienindex als Schablone. Der purzelte zwischen Juni und September 2015 von 529 Punkte auf 281 Zähler (-46,88%). Sollte es zu einem ähnlichen Aderlass an den Metallmärkten kommen, wären davon nicht nur Eisen und Stahl betroffen. Auch Nichteisenmetalle wie Kupfer, Aluminium und Zink dürften bei einem Bärenmarkt mit von der Partie sein.

Zum Thema:
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