15.07.16

Stahlpreise und Stahlmarkt: Freitag, 15. Juli 2016

Der Ausblick für deutsche Stahlindustrie ist vorsichtig positiv. Hintergrund ist die überdurchschnittlich hohe Kapazitätsauslastung bei einer für 2017 erwarteten stabilen Rohstahlproduktion. "Die deutsche Stahlindustrie zeigt sich trotz eines schwierigen internationalen Umfelds stabil", heißt es in dem aktuellen Stahlbericht des Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI).

Auf dem weltweiten Stahlmarkt sieht es alles andere als rosig aus. Weil ein Wachstum der weltweiten Stahlnachfrage nicht absehbar sei, werde die internationale Stahlindustrie um einen Abbau von Überkapazitäten nicht herumkommen, sagt der RWI-Konjunkturexperte Roland Döhrn. Für Europa rechnet er bei Schließungen von Stahlwerken mit "erheblichen Widerständen".

Wegen des trüben Ausblicks für die globale Stahlkonjunktur ist der jüngste Anstieg der Stahlpreise umso suspekter. In China ist es mittlerweile so, dass jeder Taxifahrer ein Handelskonto hat, mit dem es sich auf einen Anstieg von Stahlkontrakten spekulieren lässt. Der in Shanghai gehandelte Betonstahlkontrakt gibt zwar leicht von 2.550 Yuan auf 2.511 Yuan nach. Er liegt aber immer noch erheblich höher als Anfang Juni, als er bei 1.961 Yuan notierte.

Der Ausblick für den Edelstahlpreis ist stabil. Zum einen liegt der Eisenerzpreis aktuell mit 58 US-Dollar je Tonne um 10 Dollar höher als Anfang Juni 2016. Zum anderen dürfte Nickel, auf das etwa 10% bei der Edelstahlproduktion entfällt, eher teurer als günstiger werden. Das australische Wirtschaftsministerium prognostiziert Anstiege der Nickelnachfrage um 1% (2016) und 1,8% (2017). An der Londoner Metallbörse (LME) kostete die Tonne Nickel zuletzt 10.370 US-Dollar.