Sinkende Stahlpreise leeren Kassen von Stahlherstellern

20.06.22

Sinkende Stahlpreise leeren Kassen von Stahlherstellern

Sinkende Stahlpreise stehen dem höchsten Tarifabschluss in der Stahlindustrie seit 30 Jahren nicht im Weg. Während sich die Tarifparteien auf 6,5% mehr Geld für die Beschäftigten verständigen, sinkt der Stahlpreis für Warmbreitband auf 875 Euro je Tonne. Das ist der tiefste Stand in diesem Jahr. Noch sind die Kassen der Stahlhersteller gut gefüllt.

"Mit diesem Ergebnis erhalten die Beschäftigten ihren berechtigten Anteil an der momentan sehr guten wirtschaftlichen Situation der Branche", kommentiert Knut Giesler, IG Metall-Bezirksleiter in NRW. "Sollten die sich abzeichnenden Risiken für die deutsche Wirtschaft ihre volle Wucht entfalten, müssten die Tarifpartner Lösungen finden." Diesen Appell richtet der Arbeitgeber-Vorsitzende Heinz Jörg Fuhrmann an die Gewerkschaften.

Fuhrmanns früheres Unternehmen hat gerade die Inbetriebnahme eines Hochofens verschoben. Man habe genügend Brammen-Halberzeugnisse aus dem Betrieb der beiden anderen Hochöfen und dem Joint Venture mit den Hüttenwerken Krupp Mannesmann, teilt Salzgitter mit. Zuvor hatte bereits ArcelorMittal einen Hochofen in Deutschland runtergefahren.

Diagramm Stahlpreisentwicklung Warmband Jahrestief Juni 2022

Seine Kunden seien momentan die Könige, äußert sich der Mitarbeiter eines Stahlherstellers gegenüber Platts. "Die Nachfrage ist sehr schwach. Da die Preise täglich sinken, gehen Käufer über die Bestellungen von Mindestmengen nicht hinaus."

Offiziell gibt es bisher trotz rapide sinkender Stahlpreisen keine Antwort der Stahlhersteller. Man behilft sich vor allem mit der Verlängerung von Hochöfen-Wartungsarbeiten. Überdies werden offenbar die Arbeitsschichten gekürzt. Die Stahlpreise hat das bisher nicht stabilisiert. Bei Flacherzeugnissen dreht sich die Preisspirale weiter. Anders sieht es bei Langerzeugnissen aus.

Stahlpreis Prognose

"Die europäischen Stahlpreise stürzen ab. Die schwächere Nachfrage aus dem Verarbeitenden Gewerbe und die im Zuge des russischen Einmarsches in der Ukraine aufgefüllten Lager wiegeln sich auf", meldet Bloomberg. Die sinkenden Stahlpreise könnten die Gewinne der Stahlhersteller stark drücken. Diese hatten am Rohstoffboom, der auf die Covid-Pandemie folgte, gut verdient, erläutert die Nachrichtenagentur.

Der Stahlpreis für Warmband werde in den nächsten zwei Monate noch einmal um 100 bis 150 Euro fallen, erwartet der Stahlmarkt-Experte Matthew Watkins von dem Beratungsunternehmen CRU-Group. In den Sommermonaten sei die Stahlnachfrage traditionell schwach. Das würde die Talfahrt der Preise verschärfen.

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