Fe-Schrottpreise und Schrottmarkt im Juni 2022

24.06.22

Fe-Schrottpreise und Schrottmarkt im Juni 2022

Der Schrotthandel blickt mit Sorgenfalten auf der Stirn ins 2. Halbjahr 2022. Ein Preisrückschlag bei Stahlschrott von über 100 Euro je Tonne beschwört schwerere Zeiten für die Branche herauf.

"Deutsche Stahlhersteller haben die Schrottkontrakte in der ersten Monatshälfte um 95-125 Euro tiefer gegenüber Mai ausgehandelt", meldet Fastmarkets. Im Juli würden die Preise weiter fallen, lautete die Einschätzung von Marktteilnehmern.

Aktuell ist der von der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) ermittelte Lagerverkaufspreis für Stahlneuschrott (Sorten 2/8) bei 396 Euro. Das sind 108 Euro weniger als im Mai.

Diagramm Entwicklung Fe Schrottpreis Deutschland 2020-2022

Der türkische Exportpreis für homogenen Eisen- und Stahlschrott (Heavy Melting Steel, HMS 1/2) ist 320 US-Dollar cfr am 23. Juni 2022. In der ersten Maihälfte hatten Schrottexporteure noch einen Verkaufspreis von 480 Dollar erzielt.

Der "Druck auf die Exportpreise" sei stetig gestiegen, meldet EU Recycling. Die türkischen Schrottabnehmer hätten "ungewöhnlich lange Zeit" keinen Bedarf angemeldet.

Ein Überangebot von Stahlschrott belaste die Preise, berichtet Platts. Der an der Londoner Metallbörse (LME) gehandelte türkische Stahlschrottkontrakt sank binnen Monatsfrist von 464 US-Dollar auf 343 Dollar (-26%).

"Exporteure von Stahlschrott prüfen aufgrund des Preisverfalls in der Türkei alternative Absatzmärkte für den Verkauf von Hochsee-Schrottladungen", heißt es in einer heutigen Meldung von Fastmarkets.

Was wird aus der Konjunktur?

Der konjunkturell Gegenwind ist inzwischen unübersehbar. Die Wirtschaftsstimmung in Deutschland und im Euroraum hat sich im Juni überraschend deutlich verschlechtert.

"Weitere Abkühlung der deutschen Wirtschaft infolge rückläufiger Exporte und starker Inflation", meldet S&P Global. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Industrie purzelte im Juni auf 52 Punkte – nach 54,8 Zähler im Mai.

Die deutsche Wirtschaft habe praktisch den gesamten Schwung verloren, den sie durch die Lockerung der Corona-Beschränkungen gewonnen hatte, stellt der Konjunkturexperte Phil Smith von S&P Global fest.

Damit ist die explosive Gemengelage für die Wirtschaft, vor der Bosch-Chef vor sechs Wochen bereits warnte, da. Von einer "großen Rezession in der Entstehung", sprach Stefan Hartung im Gespräch mit dem Finanzkanal CNBC.

Schrottpreis Prognosen

Mit einem Anstieg der Stahlschrottpreise sei vor Mitte August nicht zu rechnen. In Westeuropa beginne die Ferienzeit, erläutert Alain Eeckman von dem belgischen Schrotthändler Casier Recycling auf einer Konferenz von Kallanish.

"Mein persönliches Gefühl ist, dass die Schrottpreise diesen Sommer den Abwärtstrend fortsetzen, sich aber im September erholen werden", erwartet Ali Sezen von dem US-Recycler Novek. Er schränkt ein: Es müsse alles gut gehen.

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