Die Stahlpreis-Krise spitzt sich zu

24.11.22

Die Stahlpreis-Krise spitzt sich zu

Der Stahlpreis für warmgewalzten Stahl dürfte laut der Einschätzung eines Stahl-Service Center auf 550 Euro je Tonne fallen. Aktuellen Preismeldungen zufolge kostet Warmband 620 Euro frei-Werk Ruhr.

"Es scheint eine psychologische Barriere für Preise unter 600 Euro zu geben", erläutert der Mitarbeiter eines Stahl-Service Center gegenüber S&P Global. "Wenn diese bricht, werden wir meiner Meinung nach bald 550 Euro sehen."

Für Käufer ist nicht ungefährlich auf weiter sinkende Stahlpreise zu spekulieren. Grund ist der gestern veröffentlichte Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Industrie. Er gibt Anlass zur Hoffnung.

"Die November-Daten ändern nichts an der Einschätzung, dass Deutschland wahrscheinlich auf eine Rezession zusteuert", sagt der Experte Phil Smith. Es gibt jedoch Anlass zur Hoffnung, dass der Rückgang der Wirtschaftsleistung schwächer ausfallen könnte als zunächst befürchtet."

Seine Käufer rechneten mit weiter sinkenden Stahlpreisen und warteten ab. Deswegen sei am Stahlmarkt derzeit nicht viel los, erklärt der Mitarbeiter des Stahl-Service Center.

Zweckoptimismus herrscht unter den Stahlherstellern: "Wir haben zuletzt eine leichte Zunahme der Anfragen von Käufern gesehen", zitiert Fastmarkets den Mitarbeiter eines Stahlherstellers. Nach Wochen der Stille sei das eine "schöne Abwechslung".

Zu weit aus dem Fenster lehnen will er sich aber nicht. Die angefragten und verkauften Mengen seien sehr gering. Sollte der Warmbandpreis tatsächlich auf 550 Euro sinken, wäre das der tiefste Stand seit Dezember 2020.

Importe: Die 4. Welle

Die Fähigkeit der Stahlhersteller auf mittlere Sicht höhere Stahlpreise durchzusetzen, könnten Importe im Weg stehen. Indien hat seine Exportsteuer auf Stahlprodukte wieder abgeschafft.

Im Spätsommer und Herbst des letzten Jahres (vor der Einführung der Stahlsteuer) waren indische Stahlexporte in die EU deutlich angestiegen.

Der europäische Stahlverband Eurofer will Warmbandimporte aus Drittländern weiter erschweren. Der Verband befindet sich aktuell in intensiven Lobbyarbeiten. Die EU-Kommission zeigt sich empfänglich.

Experten sprechen von einer unmittelbar bevorstehenden "vierten Welle" von Anti-Dumping-Maßnahmen bei Warmband. Stahlhersteller haben zuletzt weitere Hochöfen runtergefahren und damit den Druck auf die Politik erhöht.

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