12.11.19

Stahlhersteller wollen sich nicht auf tiefe Preise festnageln

Die Stahlpreise für Stahlkontrakte sind trotz optimistischen Konjunkturerwartungen am fallen. Der an der Londoner Metallbörse (LME) gehandelte Stahlschrottkontrakt sinkt auf 260 US-Dollar je Tonne. Er entfernt sich damit von dem am 7. November 2019 bei 269 Dollar markierten 2-Monatshoch. LME-Betonstahl fällt von 423,50 Dollar auf 419 Dollar. An der Rohstoffbörse in Shanghai fällt der meistgehandelte Januar-2020-Betonstahlkontrakt in in drei Handelstagen von 3.444 Yuan auf 3.368 Yuan.

Autohersteller versuchten sich Walzstahl für die erste Hälfte 2020 zum gegenwärtigen Spotmarktpreis zu sichern. Die Stahlproduzenten seien dazu aber nicht bereit, berichtet "Argus". Der durchschnittliche Warmbandpreis in Nord-/Westeuropa lag laut dem Rohstoffdienst zu Wochenbeginn bei 413,50 Euro je Tonne. Damit zahlten die Stahlbezieher zwar im Schnitt ein Euro mehr gegenüber dem Vorwoche. Das Preisniveau bleibt aber extrem tief, bedenkt man, dass Stahlproduzenten vor einem Jahr noch 535 Euro für warmgewalzte Erzeugnisse erlöst hatten.

Derweil hellen sich die Konjunkturerwartungen für Deutschland und den Euroraum überraschend kräftig auf. "Die Hoffnung steigt, dass sich das internationale wirtschaftspolitische Umfeld in der näheren Zukunft verbessern wird", erläutert Achim Wambach, Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Strafzölle auf Autoimporte aus der EU in die USA seien weniger wahrscheinlich. Auch die jüngsten Entwicklungen beim Brexit und dem Handelskonflikt zwischen den USA und China bewertet Wambach positiv.

Zuvor hatte sich bereits der ifo-Geschäftsklimaindex für die im Verarbeitenden Gewerbe tätigen Unternehmen und deren Auftragseingang verbessert. Das sind weiter Indizien dafür, dass sich die konjunkturelle Talsohle dem Ende neigt. Ein Blick auf den deutschen Aktienindex bestätigt diesen Eindruck. Der Dax hat seit Mitte August 2019 um 14% zugelegt und steht kurz davor ein neues Rekordhoch zu erklimmen. Ein solcher Anstieg wäre ohne konjunkturellen Rückenwind kaum möglich.

Für die Stahlproduzenten geht es in erste Linie darum, auf Zeit zu spielen. Sie haben ein fundamentales Interesse daran, dass sich ihre Großkunden aus der Automobilindustrie zu den gegenwärtig noch sehr tiefen Stahlpreisen keine Lieferverträge sichern, die bis zur Jahresmitte 2020 reichen. Man wird also versuchen kürzere Lieferverträge zu vereinbaren, oder aber längere Lieferverträge an Preisentwicklungs-Indizes zu hängen. Die Stahlproduzenten müssten dann bei einem Stahlpreis-Anstieg nicht zu vergangenen Tiefstpreisen liefern.