16.09.15

Europa mit viel Licht und einem tiefen Schatten

Entgegen den Prognosen legte die Industrieproduktion im Euroraum einen Zahn zu. Die Unternehmen steigerten ihre Erzeugung im Juli um 0,6% gegenüber dem Vormonat, meldet Eurostat. Analysten hatten mit einem Plus von 0,3% gerechnet. Der Anstieg sei darauf zurückzuführen, "dass die Produktion von Energie um 3,0%, von Investitionsgütern um 1,4% und von Gebrauchsgütern um 1,3% zunahm", erläutern die Statistiker.


Auch der von den Euroländern gemeinsam erwirtschaftete Exportüberschuss übertrifft die Erwartungen. Im Juli lagen die Warenausfuhren um 22,4 Milliarden Euro höher als die Wareneinfuhren. Das war eine Milliarde Euro mehr als Volkswirte erwartet hatten. Der Euro schwächte sich zum Dollar, Pfund und Yuan in den vergangenen 18 Monaten kräftig ab. Dadurch wurden Waren aus dem Euroraum im Rest der Welt erheblich günstiger.

Die tiefe Inflationsrate ist Europas Achillesferse. Die Verbraucherpreise stiegen im August lediglich um 0,1% gegenüber dem Vorjahresmonat, wie Eurostat mitteilt. Damit korrigieren die Statistiker ihre erste Schätzung, die bei 0,2% lag. Die Kernteuerungsrate, also jene, die die Preise für Energie und Lebensmittel ausklammert, wird von 1,0% auf 0,9% herabgesetzt.

Die schwache Inflationsrate ist ein Indiz dafür, dass die von der Europäischen Zentralbank (EZB) betriebene ultralockere Geldpolitik der Realwirtschaft einen Bärendienst erweise. Mario Draghis EZB setze falsche Anreize, sagen Kritiker. Durch den über die Notenpresse finanzierten Kauf von Staatsanleihen blieben Strukturreformen in Ländern wie Italien und Frankreich liegen. Infolge sei die Arbeitslosigkeit hoch, das Lohnwachstum und damit auch die Inflation niedrig.